Die Kammersängerin Soňa Červená wurde zum Ehrenmitglied der Staatsoper Prag ernannt
Anlässlich ihres Lebensjubiläums hat der Direktor der Staatsoper Prag, Mag. Oliver Dohnányi, die prominente Opernsängerin Soňa Červená zum Ehrenmitglied dieses Hauses ernannt. Der feierliche Überreichung der Urkunde hat am Samstag, dem 4. 9. 2010, vor der Vorstellung von Bizets Carmen stattgefunden.
„Soňa Červená ist an vielen internationalen Bühnen unter anderem besonders in der Rolle der Carmen berühmt geworden, die unser Theater auch heute anlässlich ihres Lebensjubiläums spielt. Sie hat mit renommierten Persönlichkeiten – Sängern, Dirigenten und Regisseuren – gearbeitet, sie war immer eine Anhängerin des modernen Theaters und hat an ihren Beruf stets die höchsten Ansprüche gestellt. Sie ist auch jetzt, in ihrem fortgeschrittenen Alter, unermüdlich künstlerisch tätig,“ führte der Direktor der Staatsoper Prag Oliver Dohnányi zu diesem außerordentlichen Anlass aus. Er wünschte Frau Červená unter anderem vielen Erfog in der Rolle, die sie am Nationaltheater Prag übernehmen wird – im Drama von Karel Čapek Die Sache Makropulos in der Regie von Robert Wilson. „Ich glaube, dass auch die Staatsoper Prag ihrem Ehrenmitglied eine Rolle anbieten können wird“, ergänzte Oliver Dohnányi.
Die international bekannte tschechische Mezzosopranistin Soňa Červená hat ihre professionelle Karriere im Genre Musical bzw. Musikkomödie und im Film begonnen. Als Opernsängerin war sie sieben Saisonen in Brünn, ab 1959 dann an der Staatsoper Berlin (Ost) engagiert, an der sie für ihre hervorragenden Leistungen in Werken Monteverdis, Händels und Glucks mit dem Titel Kammersängerin ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1962 gelang ihr unter dramatischen Umständen die Flucht durch die Berliner Mauer nach dem Westen. Sie war Solistin der Opernhäuser in Wien, Frankfurt und San Francisco und gefragter Gast an europäischen und amerikanischen Bühnen von Palermo und Mailand über Salzburg, München, Bayreuth, Hamburg, Amsterdam, Brüssel, Glyndebourne, Edinburgh, Paris, Barcelona und Lissabon bis Seattle, Chicago und Los Angeles, wobei sie vor allem als Carmen, Ulrika, Brangäne, Erda und Klytaimnestra geschätzt wurde. Bald hat sie sich in ihrem Repertoire auf die Werke des 20. Jahrhunderts spezialisiert (Mahler, Strawinski, Janáček, Berg, Ligeti, Nono, Henze). Für ihre hervorragenden Leistungen und langjährige Migliedschaft hat sie den Titel Kammersängerin auch an der Oper in Frankfurt erhalten. Sie hat sich als Sprachberaterin um die beispielhafte Interpretierung der Werke von Leoš Janáček in der tschechischen Sprache und um werktreuen Übersetzungen der tschechischen Libretti verdient gemacht. Nach der Beendung ihrer aktiven Opernkarriere wirkte sie ab 1989 als Schauspielerin am Thalia-Theater in Hamburg, mit dessen Ensemble sie auch in New York, Rio de Janeiro, Hongkong und Sydney gastierte. Nach ihrer Rückkehr nach Prag stand sie im Jahre 2002 endlich auf der Bühne des Nationaltheaters, und zwar in der allegorischen Rolle des Fatums in Janáčeks Oper Osud (Das Schicksal). Am Klicpera-Theater in Hradec Králové spielte sie die Titelrolle im Drama von Friedrich Dürrenmatt Der Besuch der alten Dame, am Ständetheater in Prag eine melodramatische Rolle in der Oper von Tomáš Hanzlík Slzy Alexandra Velikého (Die Tränen Alexanders des Großen) und am Theater Kolowrat die Rolle von Milada Horáková in dem musikdramatischen Fresko von Aleš Březina Zítra se bude... (Morgen wird man...). Im Jahre 2005 war Soňa Červená mit dem Thalia-Preis und 2008 mit dem Alfred Radok-Preis ausgezeichnet. Ihre außerordentlich vielseitigen Bühnenerfahrungen bringt sie auch als Interpretin von Konzertmelodramen zur Geltung.
Soňa Červená hat zweimal auf der Bühne der Staatsoper Prag, des damaligen Smetana-Theaters, gastiert: In den Jahren 1955 und 1956 „auf Engagement“, wie es hieß, in der Titelrolle von Bizets Carmen, zufälligerweise immer am 13. April. Das Engagement am Nationaltheater, zu dem das Smetana-Theater damals gehörte, konnte jedoch aus politischen Gründen nicht verwirklicht werden, was schließlich einer der Gründe für die Abwanderung der Sängerin in das Ensemble der Staatsoper Berlin gewesen war. Als dessen Mitglied gastierte Soňa Červená am Smetana-Theater noch einmal im Rahmen des Festivals Prager Frühling 1959 in Händels Ariodante.
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